Digitalisierung, Technology, Travel

Digitalisierung im Alltag

Disclaimer…

Klar, als Berater mit Fokus auf „Digitalisierung von Geschäfts- und Verkaufsprozessen bei Banken und Versicherern“ gelte ich sicher als voreingenommen. Aber: Anlässlich einer Dienstreise nach Wien vor ein paar Wochen wurde mir so richtig bewusst, dass „die Digitalisierung“ in fast allen Bereichen des Lebens kaum mehr aufzuhalten ist. Geschweige denn aufgehalten werden soll, denn viele Dinge des Alltags werden dank digitaler Unterstützung vereinfacht. Ob die Digitalisierung in den Köpfen angekommen ist, steht wohl auf einem ganz anderen Blatt (deshalb gibt es ja solche Berater wie ich da einer bin…).

Ich reise fast vollumfänglich digital

Aber zurück an den Anfang der Geschäftsreise: Mit meinem Kunden habe ich per Email vereinbart, dass wir am Datum x an seinem Sitz in Wien eine gemeinsame Arbeitssitzung durchführen werden. Woraufhin die Reise gebucht wurde – per App auf dem Smartphone. Die Bezahlung verlief im Hintergrund, Kreditkarte ist hinterlegt. Das Hotel wurde mir nach der Flugbuchung vorgeschlagen, die Fluggesellschaft arbeitet zufälligerweise mit „meinem“ Hotel-Portal zusammen und hat mir ein Hotel vorgeschlagen: Gebucht, Reservation mit Kreditkarte erledigt. Wunderbar, Reisebüro war früher. Schlechtes Gewissen? Warum?

Smartphone als Türöffner, Tablet ersetzt den Concierge

Ich fahre also an den Flughafen, stelle mein Auto im Parkhaus ab und spaziere zur Sicherheitskontrolle. Eingecheckt wurde ich automatisch, meinen Sitzplatz habe ich bei der Buchung gleich mitreserviert und da ich nur mit Handgepäck reise, entfällt auch der Gang an den Schalter. Keine Warteschlange, kein Anstehen, Ausnahme natürlich vor der Sicherheitskontrolle. Die Bordkarte schlummert in der App auf dem Smartphone, dieses öffnet mir die Schleuse vor der Sicherheitskontrolle. Passkontrolle gibt es ja seit Schengen nicht mehr wirklich und beim Durchleuchten des Handgepäcks spreche ich zum ersten Mal mit einem Menschen. Am Gate angekommen, weise ich meine Bordkarte vor bzw.  scanne diese und der Weg zum Flieger ist frei.

In Wien angekommen bestelle ich einen Fahrer via Uber, werde am vereinbarten Ziel abgeholt und an die gewünschte Adresse gebracht. Bezahlung im Hintergrund, das Trinkgeld gebe ich bar (hey, voll analog!). Die 5-Sterne-Bewertung für die angenehme Fahrt wird sofort erfasst. Im Hotel angekommen erwartet mich eines von drei Checkin Tablets, Meldeformular wird elektronisch ausgefüllt, der Schlüssel wird frisch gedruckt und steht bereit. Receptionist? Braucht es dafür nicht.

Der Checkout am nächsten Morgen erfolgt automatisch, den Schlüssel nimmt man als Souvenir mit. Es erwartet mich wieder ein Uber-Fahrer der mich zum Kunden fährt. Der Workshop zum Thema Digitalisierung passt natürlich perfekt. Das Mittagessen bestellen wir über einen Kurierdienst – hierfür steht ein gemeinsamer Warenkorb zur Verfügung. Nach Lunch und obligatem Kaffee aus dem halbdigitalen Vollautomaten nochmal eine Session.

Workshop beendet, nächster Uber bestellt und zurück an den Flughafen. Wiederum interagiere ich erst wieder am Security Check mit einem Menschen (wobei ich froh bin, dass hier noch Menschen treffe…). Am Gate bin ich aber wiederum selber für meinen Einlass zum Flieger verantwortlich. Beim Rückflug die heruntergeladene Spotify-Playlist hören und schon bin ich wieder in Zürich. Parkticket in den Automaten und das Gefühl erhalten, den Parkplatz auf Lebzeiten gekauft zu haben 😉

Digitalisierung und Automatisierung

Die geschilderten Tätigkeiten verdeutlichen die Vereinfachung für Anbieter und Kunde. Wer Hotels mit echter Lobby und einem Portier und Gepäckträger mag, wählt eben ein solches. Aber dank Selfboarding erhalten die Ground Attendants mehr Zeit für Diskussionen am Schalter (allenfalls wäre aber Boarding Pass einlesen und „En guete Flug“ wünschen angenehmer… räusper). Uber (und selbstverständlich auch andere Taxi Apps) halte ich für eine gute Lösung, weil Fahrzeuge ausgelastet werden können und die Fahrer etwas verdienen können statt nur rumzustehen. Und Barzahlung ist mir ein Graus weil ich kaum Bargeld auf mir trage.

Licht und Schatten

Bei all den tollen Neuerungen sollte man aber natürlich die Schattenseiten nicht vergessen. Nicht alle Menschen verstehen diese Services oder können sie beanspruchen. Auch wenn die Buchung eines Fluges oder eines Bahntickets wirklich keine Hexerei mehr sind, nicht alle möchten das. Auch werden sich Berufe verändern, einige werden verschwinden, Menschen werden sich anpassen müssen. Das ist nicht neu und „gab es schon in der immer“. Vielleicht ist aber die Geschwindigkeit der Veränderung heute eine andere. Das muss ich mir selber immer wieder in Erinnerung rufen…

Mehr dazu in den nächsten Posts.

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