Digitalisierung, Technology

Am Anfang war ein Amiga 500

Alles begann mit einem Amiga 500

Die Neue Zürcher Zeitung NZZ hat in einem Artikel vom 8. August 2017 getitelt: „Digitalisierung: Auch Fabrikarbeiter müssen sich weiterbilden“. Natürlich, warum nicht? Beim Durchlesen des Artikels wurde ich sofort an meinen Grossvater erinnert. Meine Grosseltern schenkten mir 1987 meinen ersten Computer, einen Amiga 500. Und diesem Computer habe ich einiges zu verdanken – das Teil hat nicht nur die Freude an der Technologie geweckt, sondern auch dafür gesorgt, dass ich bereits mit knapp 11 Jahren gelernt habe, dass „Cancel“ „Abbrechen“ heisst… Die Amiga Workbench war ja mehrheitlich in englischer Sprache und auch dieses Basic gab es damals ja… Als wir zusammen den Computer einrichteten und die Kabel anschliessen wollten, hatte weder mein Vater noch mein Grossvater wirklich eine Ahnung wie man dieses Teil zusammenbaut. Zum Glück gab es eine umfangreiche Anleitung und noch viel wichtiger: Zum Glück war dieser Amiga 500 sehr einfach aufzusetzen.

Betriebstemperatur

Da stand der Amiga 500 nun auf dem Schreibtisch meines Vaters und surrte vor sich hin (das Diskettenlaufwerk… ganz typischer Ton). „Du musst darauf achten, dass das Netzteil immer schön warm wird, bevor du mit dem Computer arbeitest“ sagte mir mein Grossvater mit ernster Miene. „Ich habe bei der FERAG auch so einen Computer bekommen und wie beim Automotor muss zuerst die Betriebstemperatur erreichen, bevor ich arbeiten kann“. Natürlich habe ich ihm das geglaubt, er war mein Grossvater, er wusste wovon er sprach, er war ja auch über 50 Jahre älter als ich. Mein Nachbar und Pfadi-Kollege hat mich dann aber vom Gegenteil überzeugt – und trotzdem kommen mir die Worte immer wieder in den Sinn. Ich habe dies meinem Grossvater aber nie gesagt, schliesslich stand er kurz vor der Pensionierung und die Tatsache, dass er in den letzten Monaten vor dem Übertritt in den Ruhestand noch die Bedienung eines Computers erlernen musste und durfte, war ja schon was. Vielleicht war das Vorwärmen des Motors auch ein guter Anlass für eine Rauchpause vor dem Arbeitsstart 😉

Digitalisierung ist doch schon lange ein Thema

Das Beispiel meines Grossvaters zeigt, dass die Digitalisierung schon lange im Gang ist. Und dass man kaum von einer Revolution sprechen kann, dann eher von Evolution. Es ist eben nicht erst seit 2010, 2012 oder 2015 ein Thema, sondern schon viel länger. Die Geschwindigkeit des Wandels nimmt aber sicherlich zu. Ein Lokführer muss heute sowohl einen Computer einer modernen Zugskomposition bedienen können als auch die technischen Hintergründe einer 30 bis 40 Jahre alten Lok kennen. Die Bedienung dieser Infopanels in den S-Bahnen sei zu Beginn alles andere als ein Automatismus gewesen, sagte mir zumindest mein Vater. Oder auch im Supermarkt: Eine Kasse beim Detaillisten war in der Vergangenheit eher eine grosse Rechenmaschine mit Zahlen und Knöpfen – Knöpfe, die von Touchscreens abgelöst wurden und wenn nicht ein Minimum an Offenheit für den digitalen Wandel vorhanden ist, dürfte es schwierig werden für die Angestellten.

Einbezug der Betroffenen wichtig

Berufsgattungen, die nicht unbedingt auf Computer angewiesen sind und waren, Arbeiter die nicht im Büro tätig sind sondern Maschinen bedienen oder Fahrzeuge steuern, stehen heute möglicherweise vor der Herausforderung, dass sie sich extrem rasch digitale Fertigkeiten aneignen müssen. Etwas, das sie vielleicht weniger interessiert oder sogar Bauchschmerzen bereitet, weil man Respekt davor hat. Natürlich ist jeder für die eigene berufliche Weiterentwicklung verantwortlich. Aber nicht jeder bringt die Voraussetzungen so einfach mit. Deshalb tragen die Arbeitgeber eine grosse Mitverantwortung in dieser Transformationsphase. Es wäre wünschenswert, dass alle Beteiligten und Betroffenen soweit möglich in den Veränderungsprozess miteinbezogen werden, was kaum so sein dürfte. Es ist jedoch unabdingbar, dass man den Mitarbeitern erklärt, weshalb gewisse Schritte notwendig sind, weshalb eine Firma automatisieren und digitalisieren muss. Dass dadurch Jobs wegfallen und vielleicht wirklich nicht mehr zurück kommen. Das Unternehmen aber weiter existieren kann, die verbleibenden Stellen gerettet werden und im Idealfall doch noch andere Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Digitalisierung lässt sich nicht befehlen

Dafür braucht es aber die Einsicht, dass man Digitalisierung nicht einfach „verordnen“ oder befehlen kann. Und es braucht Lösungen für die Menschen, welche die aktuelle Transformation nicht schaffen werden. Und, für diejenigen die noch kommen werden und vielleicht heute erst knapp 10 Jahre alt sind und nicht die Voraussetzungen für digitalisierte Jobs mitbringen. Und es braucht natürlich auch Chefs, die verstehen was passiert und Vertrauen bei den Mitarbeitern schaffen können. Das gilt für einen Fabrikationsbetrieb ebenso wie für Dienstleister. Dazu mehr in einem späteren Artikel.

Link zum NZZ-Artikel

 

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